Provence 2016: Provence bis Italien

von Marcel Bucher

Sa 9.April 2016 - St.Vincent

Neun PARAnoias treffen um 14:30 nach langer Fahrt in St.Vincent les Forts ein. Das Timing scheint gut, sind doch gerade die ersten farbigen Tücher in den auffrischenden Wind gestartet. Etwas kleines essen, bereit machen, und schon hauen sich auch Zeno, Urs, Dani, Alessandro, Roli, Marco und ich raus. Dani W und Karl lassen es für heute noch bleiben, beobachten vom Startplatz aus das muntere Treiben in der Luft und leisten dem einen oder anderen Starthilfe im böigen Wind, wenn nötig auch mehrfach.

Ich komme gleich zu drei Starts und Landungen - irgendwann habe ich dann auch alles korrekt eingehängt und versuche, die anderen an der Basis zu erreichen. Das ist nicht ganz einfach, und ich brauche mehrere Anläufe, bis ich auch auf 2300m oben bin. Über die Gipfel reichts nicht - leider versteckt sich die Dormillouse heute scheu hinter Wolken.

 
Basis vor Dormillouse

Grosse Strecken gibt es nicht, aber alle hatte ihren Spass und landen nach und nach wieder rein. Nur Roli will noch nicht runter, und so machen wir uns gestaffelt auf nach Laragne, wo wir entweder den Camping oder das Hotel Les Terasses beziehen.

Ein Bier (oder zwei...) in der lokalen Bar, dann zum traditionellen Auftaktsessen beim Vietnamesen - lecker!

So 10.April 2016 - Chabre

Heute ist auffrischender Südwind angesagt. Nach dem Frühstück im Terasses bei freundlicher Bedienung im (sehr!) fortgeschrittenen Alter - es ist beinahe peinlich, etwas zu bestellen - gönnen sich die einen noch einen richtigen Kaffee bevor Stellas Tochter mit dem Navette ankommt. Etwas zögernd - les flics, les gendarmes! - shuttelt sie dann alle neune auf's Mal auf den Chabre.

Einige fliegen schon (runter) und auf dem Gipfelstartplatz sitzen auch hochgerüstete Locals bereit. Der Wind ist schon da, die Thermik setzt auch bald ein, und die Franzosen hauen sich raus.

Roli folgt als erster, und wir warten mit Starten, weil er zuerst mal versäuft. Nach und nach sind auch wir in der Luft, im auffrischenden Wind teilweise auch heute mit Starthilfe.

Die Thermik ist sehr zerrissen. Die gute Schläuche sind zu weit hinter die Krete versetzt, und vorne geht's nicht recht hoch. Als Roli - der sich heroisch hochgekämpft hatte - gegen Westen losfliegt, folge ich ihm, versaufe aber gnadenlols. Knapp rette ich mich zurück und versuche über dem Notlandeplatz wieder hochzukommen. Das funktionert am Ende nur mit Zwischenlandung und Autostopp...

Inzwischen sind die meisten anderen gelandet - entweder beim Camping oder auf der anderen Seite von Laragne. Auch ich starte nochmals raus, kann hochdrehen und gegen den stärker werdenden Wind zum Landbier bei Besenbeiz Dani & Dani einfliegen.

Nur der erstgestartete Roli ist immer noch in der Luft - er macht das Beste aus der schwierigen Luft und landet am Ende auch bei uns. Nach etwas Groundhandling mit Danis Tonic gibts Individualsport: Rennen, wandern, und Zeno erklimmt den Chabre gleich nochmals per Bike.

 
Diva Zen-O

Apèro im Dorf - Fleisch im Petit Gourmand. André und Adrian stossen zu uns, während Zeno alle als Diva amüsiert und sich erst beruhigt, als die nette Bedienung ihm hinter der Kaffemaschine eine Flasche personalisiertes Mineralwasser hervorzaubert. 
Spät geht's nach Hause (morgen ist viel Wind angesagt).

Mo 11.April 2016 - Flucht nach Ivrea

Reisetag - der Wind heute wird zu stark zum Fliegen. Am Frühstückstisch werden alle möglichen Szenarien vorwärts und rückwärts simuliert und durchdiskutiert. Der Bereich geht von Tschechien bis Andalusien (nicht ganz ernst gemeint :-), es ist aber schnell klar, dass in der Provence in den nächsten Tagen nix mit Fliegen sein wird. Heute würde es vielleicht in Monaco gehen, aber das Rennen macht am Ende Ivrea - das Fluggebiet Cavallaria am Eingang des Aostatals in Italien.

Während sich die Herzogs noch für eine letzte Fahrt auf die Bikes schwingen, zieht der Rest des Trosses bald mal los, hinauf durch das malerische Tal nach Briançon und von dort über den Pass nach Italien. Wir hoffen noch auf einen Abendflug im neuen Gebiet. 
Nach langer Fahrt stehen dort aber viele, dunkle Wolken - alle Piloten sind schon gelandet. Für einen Abgleiter sieht es zu riskant aus, und so fahren wir ins Aostatal hinein nach Pont Saint Martin zun Hotel Crabun, wo es schon richtig schüttet.

 
Pont St.Martin

Das Tal ist bi-lingue, interessant. Und es hat die eine oder andere Bar, gut so. Der Tag klingt also bei Apero, gutem Essen im Hotel Crabun und Absacker aus. 
Für morgen haben wir bei Gianni einen Shuttle zu den Startplätzen reserviert!

Di 12.April 2016 - Ivrea zum ersten

Das Wetter sieht nicht schlecht aus. Nach dem Morgenessen geht's gemütlich Richtung Landeplatz. Dani & Dani werden auch noch vom Camping eingesammelt, und wir warten auf den Shuttle. Alle elf PARAnoias werden in den Bus gequetscht und auf geht die lange Fahrt hoch zum oberen Startplatz Cavallaria. Ich schwitze Blut und Wasser - die Strasse ist schon cool, wie sie zum Spitz rauf führt, brrrr. 
Der Startplatz ist super: perfekt angeströmt, oben genug Platz um gemütlich vorzubereiten und vorne gute Startverhältnisse ohne störende Steine oder hartnäckige Vegetation.

Froh endlich oben zu sein legen wir gleich aus und sind auch bald draussen. Die Basis ist nicht weit über dem Startplatz, und schon bald müssen wir Wolkenslalom fliegen. Einige queren die Hochebene Richtung Süd. Ich kann dort nochmals aufdrehen und beobachte, wie weiter vorne alle ziemlich tief fliegen. So kehre ich um und schaffe mich wieder zum Startplatz hoch.

Urs und Roli versuchens über die Ebene - Roli muss landen und das Busnetz testen, Urs kommt immerhin wieder nach vorne Richtung Landeplatz. Andere schaffen es nach dem Ausflug in den Süden wieder zurück. André versucht sein Glück über's Flachland, während Zeno, Alessandro und ich die Querung vor dem Aostatal an die markante Ridge im Norden in Angriff nehmen. Mit viel Vorhalten und Speeder-Einsatz schaffe ich es unterhalb des Dorfes an die Soaringkante. Zeno kämpft sich auch hoch, und Alessandro muss unten landen gehen.

 
Die Ridge

Die Kante ist lustig: Voll im Gegenwind muss ich immer wieder Speedern, und komme trotzdem kaum vorwärts. Über einem Schloss geht's dann erstmals hoch und ich kann mit mehr Gas fliegen. Weiter vorne zeigt der Blick zurück immer dunklere Wolken über dem Landplatz, und ich beschliesse, den Schlauch, der gerade vorbei kommt, zu nützen, um übers Flache wieder zurück zu fliegen. Das geht dafür rasant: mit um 60km/h flutscht die Landschaft unten durch. Jetzt muss ich sogar die Ohren rein nehmen - es steigt überall.

Am Landeplatz herrscht gute Stimmung - alle hatten einen schönen Flug. Den einen oder anderen müssen wir noch einsammeln, und auf dem Rückweg gibt's das obligate Bier bei D&D auf dem Camping :)

 
D&D Bier

Das Nachtessen ist heute besonders. Nicht wegen dem Essen - die Pizzen sind ok, aber der Wein! Wir haben selten solche - na ja - Pfützen? gekriegt. Der Weisse schmeckt nach nicht viel, dafür blubbert er und der Rote - ist speziell... Traubensaft mit Ethanol? Während die einen auf Bier umsteigen, degustiert sich Karl durchs Angebot, aber erst als der Wirt das dritte Mal den Keller auf den Kopf stellt, kommt ein trinkbarer Tropfen auf den Tisch. Der Wirt nimmt's mit Humor, und auch wir lassen uns die gute Stimmung nach diesem feinen Flugtag nicht vergällen.

Mi 13.April 2016 - Ivrea fliegt auch wenn's regnet

Eigentlich ist heute nicht so gut angesagt, aber wenn wir vorwärts machen, liegt ein Flug drin. 
Der Shuttle vom Landeplatz bringt uns zwar nur auf den unteren Startplatz, aber wir sind etwa gleich weit von der Basis entfernt, wie gestern. Es tröpfelt ein wenig, als wir uns bereit machen und starten. Ich kann gleich nach dem Start eindrehen und an die Basis drehen. In sanfter Thermik segeln wir unter dem dunklen Deckel. Grosse Strecken liegen nicht drin - dafür ist die Basis zu tief und die Aussicht auf Regen zu präsent - aber eine halbe Stunde sanftes fliegen ist auch schon was. 
Urs landet als lezter. Er versuchte es noch im Flachen, bis in eine Wolke mittels feuchtem Gruss zu uns zurück schickte. Als alle gepackt haben, fängt es an zu regnen.

Alternativprogramm: Biken, wandern, joggen, oder - Kultur! Zu acht fahren wir nach Turin, um... in Strassenkaffees in der Sonne zu sitzen und Italianita zu geniessen :) 
Das Essen in Donna heute aben ist erste Sahne und entschädigt uns für gestern. Vino, Speisen, Grappa - alles hervorragend.

Morgen werden wir früh unterwegs sein. Wir buchen den Shuttle um 8:00, weil wir sonst erst um 11:15 hochfahren könnten. Da der Tag gute Thermik verspricht, wollen wir nicht erst am Nachmittag starten.

Do 14.April 2016 - Hammertag in Ivrea!

Ok, wir hätten länger schlafen können... Früh auf, um 0800 am LP, Shuttle hoch: Strammer Rückenwind! Wenigstens ist die Sonnenseite windgeschützt, und so hängen wir uns alle mal hin. Leider bessert es auch nach drei Stunden warten nicht - immer noch Wind von hinten. Einige Locals die mit dem nächsten Shuttle hoch kamen sind gleich wieder runter zum vorderen Startplatz, und drehen dort jetzt auf! Wir packen die Säcke und wandern auch runter, machen uns bereit zum Start, und kommen endlich alle raus.

Ich starte fast zuletzt, kann dafür sofort hoch bis an die Basis - 2300m! Mit Alessandro quere ich das Hochplateau, unterwegs treffen wir viele bekannte Tücher. Einmal drehe ich mit Zeno, dann mit Urs und Roli.

 
Querung Aostatal

Vor Santa Elisabetta hole ich noch den Gipfel, dann mit Wind zurück. Beim Startplatz ist zwar wieder Lee, aber irgendwann bin ich hoch genug für die Querung übers Aostatal - viel höher, als vorgestern. Mit André schliesse ich zu Marco auf, und bald sind wir auch noch mit Zeno und Roli unterwegs und fliegen hoch den alpinen Bergen entlang und über die Täler. Zuhinterst erwartet uns eine Ridge, die mit viel Wind überblasen ist. Sehr ruppig, und die Thermik wird schwächer. Marco versenkt sich beinahe am Ende, Zeno und ich versuchen entlang der Kante zurück zu kommen, André und Roli machen es taktisch besser und fliegen raus, um im Flachen Höhe zu machen und weiter aussen zurück zu fliegen.

 
Roli passt in die Landschaft

Schlussendlich sind sie die einzigen unserer Gruppe, die es zurück zum Landeplatz schaffen - inklusive Ausflug zur Ridge gen Osten. Ich komme zu tief am nächsten Hang an, alles ist abgeschattet, und so muss ich in Sagliano Landen gehen, einem Ort in einem Tal oberhalb von Biella.

Auch Marco gesellt sich zu mir, während Zeno weiter oben in einer abgeschlossenen Weide landet und über Mauern kletternd entkommen muss. 
Mit ÖV kommt man hier kaum weg, darum sind wir doppelt froh, dass Dani uns mit dem Bus holen kommt. Die Wartezeit verläuft angenehm bei Bier und Apero in der Dorfbar. Leider findet Danis Navi eine überaus kreative Route von Zenos Landeplatz zu uns, der sein Seitenspiegel nicht gewachsen ist :( 
Kaum fahren wir los, meldet sich auch noch Adrian - er ist im gleichen Tal etwas weiter oben, und wir quetschen ihn auch noch rein.



 

Die anderen sind alle regulär gelandet, alle hatten schöne Flüge: Es wurden Strecken zwischen 50 und 100km geflogen, für die einen neuer persönlicher Rekord über Distanz und Zeit. Die Stimmung ist gut beim feinen Abendessen im Hotel!

Fr 15.April 2016 - verstreut um Ivrea

Auch heute ist fliegbar, wenn auch feucht mit niedriger Basis. Um 10:00 werden wir hochgeshuttled. Der Wind am SP ist gut, etwas stark, aber die Wolken sind zum Greifen nah. Die ersten kommen noch gut unten durch, mich hebts gerade noch in ins Grau und ich bin froh um meinen Kompass. Dooferweise kann ich mein Bein nicht bewegen - eine Leine vom Beisack ist in einer Schnalle verhängt! Unter den Wolken fliege ich zu einem tieferen Startplatz, lande rein und richte das. Ein neuer Punkt für den Startcheck! 
Zum Glück kann ich problemlos wieder starten und fliege mit einigen anderen unter den Wolken an die Krete vor. Manchmal steigts, manchmal nicht, ab und zu tarnen sich Schirme im Grau und man muss gut aufpassen. Kugelkompass sei dank, kein Problem. Es zeigt sich aber, dass die elektronischen Dinger nicht alle geeignet sind - manche funktionieren erst nach Eichung, und das ist nicht so lustig, wenn die Orientierung fehlt! 
Ich versuche, das Aostatal zu queren und habe es schon beinahe wieder vor dem Dorf auf der Ridge hoch geschafft, als ich wieder runter gespült werde. Dann kommt André dazu, findet hinter mir einen Schlauch und packt es. Ich leider nicht, und irgendwann stehe ich dann unten.

Verteilte PARAnoias

Heute verteilen wir uns gut - von der Hochebene über Süd, Ost und Nord versenken sich überall Leute, die wenigsten kommen an den LP zurück, und so dauert es, bis am Ende alle wieder zufrieden im Hotel vereint sind. Danis Spiegel wurde in Ivrea kunstvoll "geflickt" und der Bus kann die dort eintrudelnden Piloten aufsammeln.

Die sportlichen biken, die anderen konvergieren nach und nach zur Bar Centro, und der Apero wird heute ausgedehnt und verlängert sich nach Donnas, wo wir wieder hervorragend zu Abend essen. Der letzte Tag - wir hauen über die Stränge.

Sa 16.April 2016 - bye bye Ivrea

Das Timing ist gut - Abreise bei Regen. Dafür nehmen wir die Scenic Route das Aosta Tal rauf und durch den St.Berhnard Tunnel.

Wir hatten eine super Flugwoche - bis auf einen Tag waren wir immer in der Luft und haben das beste aus dem Europawetter gemacht. Viel Spass, gute Leute, dazu noch ein neues Fluggebiet kennen gelernt und am Donnerstag einen Hammertag gezogen: Fliegerherz, was willst Du mehr?

Danke an Roli für's Organisieren, an Marco für die Provence Alternative Ivrea, und an Alessandro und Karl für die italienischen Verhandlungen.

Marcel


PARAnoia

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