Ski-Flugsafari im Berner-Oberland

Ski-Flugsafari im Berner-Oberland

Frühmorgens um 06.30 machen wir uns mit unserer Flugausrüstung nach Wilderswil bei Interlaken. Dazu gehören neben Andys Fotoausrüstung diesmal Ski, damit wir im Schnee überall starten können. Wir, Jean-Pierre, Peter, Andy und ich haben vor, eine Ganztagesreise mit Gleitschirm und Bergbahnen von Grindelwald aus zu unternehmen.

Im warmen mit Skigästen angefüllten Zugsabteil freuen wir uns auf den prächtigen Tag. Wir wollen mit möglichst vielen Bergbahnen zwischen dem Lütschinen- und Lauterbrunnental hochfahren, um dann unter dem Gleitschirm hängend zur nächsten Talstation zu gleiten.

Per Bahn inmitten von Skifahrern steigen wir in Grindelwald angekommen aufs Postauto um, das uns durch das winterliche Dorf zur Talstation der Firstbahn bringt. Diese trägt uns zur Bergstation, weiter geht es nach ein paar hundert Meter zu Fuss mit der Sesselbahn zum Oberjoch.

Oben angekommen laufen wir das kurze, aber recht steile Stück zum Grat, da der Startplatz neben der Skipiste zu flach zum starten ist. Eine atemberaubende Aussicht auf den 1`600m tieferen, fast 14 kilometerlange Brienzersee und zurück zur über 1`000m hohen Eigernordwand lässt uns die vergossenen Schweisstropfen vergessen. Nach einer kurzen Verschnaufpause legen wir unsere Schirme im Schnee aus und ordnen die Leinen. Wir wollen zusammen, möglichst ohne Fehlstart, losfliegen. Dank gewissehaftem Sortieren und Jean-Pierre`s Ratschlag, mit den Skiern an den Füssen mit viel Vorlage loszugleiten, gelingt uns das auch. Die winterliche Traumkulisse mit ihren tiefverschneiten Bergen und Wäldern und den belebten Skipisten zieht an uns vorbei. Im Formationsflug geht es hinab nach Grindelwald, während wir für Andy mit unseren neuen Schirmen „Modell“ fliegen. Unten neben dem Parkplatz angekommen, sind unsere Schirme rasch wieder eingepackt. Die Zahnradbahn zur Kleinen Scheidegg wartet bereits. Sogar der Kaffee und Nussgipfel zur Stärkung  müssen warten. Das herrliche Winterwetter hat tausende Skisportler und sonnenhungrige Touristen aus dem Nebel hervorgelockt. Wir drängen uns vorbei an Tipis und Schneebars, doch auch diese werden ausgelassen, wir haben noch viel vor. Weiter geht es per Sessellift und kurzer Abfahrt zum nächsten Startplatz neben der Hundschopfpiste. Eben ist ein Jugendskirennen im Gang, wir konzentrieren uns aber bereits auf unseren nächsten Flug, der uns in das enge mit steilen Felswänden umgebene Lauterbrunnental zur Talstation der Schilthornbahn in Stechelberg bringen soll. Ein kurzes Breefing für den Formationsflug,  ein kurzer Blick auf Skipiste und bereits lasen wir unseren Skiern freien lauf, beugen uns weit nach vorne, damit uns der startende Schirm nicht rücklings zu Boden zieht.
Wir geniessen die schwachen Thermikblasen und die flimmernde, kalte Luft. Sie ist voll von feinstem Pulverschnee, der wie Diamanten in der Sonne funkelt. Unsere Schirme leuchten vor dem felsigen Hintergrund der schattigen, vereisten Nordwand und dem blauen Himmel in den schönsten Farben. Die Gleitleistung unserer neuen Schirme bringt uns ins Schwärmen, wir könnten noch weit ins Tal hineinfliegen. Trotzdem landen wir wie geplant zügig mit unseren angeschnallten Brettchen im Schnee bei der Talstation Stechelberg. An uns sausen einige Speedflyer vorbei und landen nach ihrem 3- Minutenflug ebenfalls strahlend unter uns. Nach ein paar würdigenden Worten zu diesen Fliegerkollegen packen wir bereits wieder zusammen. Per Seilbahn geht es nun hoch nach Mürren. Endlich die ersehnte Schneebar, wir gönnen uns eine kleine Verschnaufpause und geniessen den Blick vorbei an dieser Traumkulisse, Eiger, Mönch und Jungfrau. Mit der Sesselbahn lassen wir uns bereits etwas sonnengebräunt zum Startplatz Schilthorn First transportieren. Für den Start vom Schilthorn ist es schon recht spät. Nun haben wir einen längeren Gleitflug nach Lauterbrunnen vor uns. Bereits macht sich der Schatten im Tal bemerkbar. Die Helligkeit hier in der Höhe lässt das Tal beinahe schwarz erscheinen. Wir müssen uns wegen des zunehmenden Abwindes sputen, möchten wir doch die letzte Bahn auf den Männlichen erwischen. Mit guter Höhe über Lauterbrunnen können wir uns einen idealen Landeplatz etwas oberhalb vom Dorf aussuchen, damit wir, bereits etwas müde, nur noch zum Anschluss der Zahnradbahn hinunter eilen müssen. Auch diese steht bereits zur Abfahrt bereit. Peter muss sich mit seinem Sack und Pack durch eine stehende Zugskomposition hindurch kämpfen, damit er noch rechtzeitig unsere Abfahrt erwischt.
In Wengen wartet die letzte Gondel auf uns, sie wurde vom Bahnhofsvorstand freundlicherweise zurückbehalten, unser Kommen wurde angemeldet. Müde aber zufrieden lassen wir uns um etwa 17.15 auf den Männlichen transportieren. Die letzten Skifahrer sind bereits im Tal verschwunden. Noch ein letzter kurzer Fussmarsch zum Startplatz. Unser Gepäck ist noch immer nicht leichter geworden, machen wir uns zu unserem letzten Flug bereit, der uns auf die Höhenmatte nach Interlaken bringen soll. Wir geniessen die letzten, horizontalen Sonnenstrahlen, die Sonne verabschiedet sich mit einem tollen Rot für den heutigen Tag. Zu dritt starten wir, doch nur Andy und Peter kommen weg. Bereits hat der nötige Startwind aufgehört zu blasen. Nun denn halt, Skier ausziehen, den Schirm nochmals zusammenraffen, den Starthügel nochmals erklimmen, ich glaube dieser wird immer höher, Schirm ausbreiten, alle Leinen perfekt sortieren, die Sitzgurten einhängen, Skier wieder anziehen, 5-Punktecheck kontrollieren und durchgehen und auf ein Neues. Jean Pierre ist bereits gestartet, hat mit seinen Skiern nochmals eine lange, feine Spur durch den flachen Abhang gezogen und hat dann erleichtert abgehoben. Ich stehe also noch als letzter da oben. Weit weg dreht noch ein Pistenfahrzeug seine Runden. Jetzt lass ich meine Skier laufen, doch schei…., der Schirm schmiert seitlich weg, er kommt nicht hoch. Etwas frustriert und ausgepumpt liege ich im Schnee und denke mir, was mach ich eigentlich da oben. Es wird bedenklich dunkel. Ein Flug nach Grindelwald hinunter könnte gefährlich  sein, ich sehe die Leitungen und Kabel im Schatten kaum mehr.

Das gleiche Procedere also nochmals. Nun lasse ich aber mein kurzen Bigfoot im Rucksack verschwinden, mache mich auf der leeren Skipiste nochmals bereit und stampfe mit der letzten noch mobilisierenden Kraft den Abhang hinunter. Bereits sehe ich das flache Schneefeld wieder auf mich zukommen, doch mein Schirm hebt sanft ab und trägt mich überglücklich ein paar Meter über die Abrisskante hinweg in Richtung Wilderswil. Bereits ist es recht dunkel. Reicht meine Höhe noch bis Wilderswil? Ständig drücke ich auf die Beleuchtung meines GPS, damit ich den möglichen Gegenwind eruieren kann. Doch bereits weitet sich das Tal, ich überfliege Wilderswil hoch und Andy gibt mir per Funk zu versehen, dass ich bis Interlaken fliegen soll. Er käme mich dort abholen. Ich geniesse nun das stille Dahingleiten und kann weit unter mir bereits die Höhenmatte ausmachen. Nach ein paar Kurven über der hell erleuchteten Stadt drehe ich zufrieden über der schönsten Landewiese die ich kenne ein paar Schleifen und lande nach 20 Minuten Flug müde und juchzend bei meinen Freunden. Die helfen mir, im Dunkeln mein Zeugs zu verstauen, es ist mittlerweile 18.40 geworden.
Ein schöner, erlebnisreicher Tag geht bei der ersehnten Röschti und dem ersehnten Landebier direkt neben dem Landeplatz zu Ende, wo wir nochmals einige Erlebnisse Revue passieren lassen.


Anhang:
Die im Winter thermikarme Zeit könnten auch wir PARAnoianer nutzen, eine solche Safari zu unternehmen. Das Berneroberland mit seinen über 100 Bergbahnen bietet für denselben Preis ( Fr. 100.00) eine Tageskarte für die gesamte Region. Das wäre doch etwas, ein Start vom Schilthorn und als Krönung die Landung in Interlacken…!


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