Heh Willi: Danke vielmals!


Immer wenn Willi und ich uns in den vergangenen Jahren zufällig beim Fliegen oder im Club trafen, stellte ich Willi unweigerlich die Frage: Und mein Üetli-Flug? Dazu muss gesagt sein, dass Willi mir vor langer Zeit versprochen hat, mich in die Geheimnisse des Üetlibergs einzuführen. Er hat mir allerdings die Tücken und vor allem den anspruchsvollen Start so dramatisch geschildert, dass ich meine fliegerischen Fähigkeiten für dieses Unterfangen grundsätzlich in Frage stellte.

Lange, sehr lange hörte ich nichts von Willy. Dann plötzlich ein zeitlich sehr knapper Anruf  "… vom Wind her könnte es heute vielleicht gehen". Doch ich war an diesem Tag leider am Arbeiten, nix zu machen.

Beim gelegentlichen Nachhaken bei Willi stellte er dann einmal die entscheidende Vertrauensfrage: "Kannst Du überhaupt rückwärtsstarten?". Hm ja, eigentlich schon, sagte ich wohl etwas zögerlich. Vermutlich zu zögerlich für Willy, denn wieder war Funkstille angesagt. Dass ich fortan seriös an meinem Rückwärtsstart arbeitete und die nach mir startenden Piloten immer mit der Frage "Und, wie war’s?" nervte, musste Willi ja nicht erfahren.

Dann eine wohl entscheidende Zwischengeschichte: Willi und ich starten auf dem Cassons am PARAfest 2011. Der Wind bläst recht ordentlich und Willi hat Gelegenheit, so rein zufällig meinen Rückwärtsstart zu begutachten. Offenbar falle ich nicht durch beim Test. 

Dann der alles entscheidende Anruf am 19.9.2011: "Hast du Zeit morgen Dienstag am späteren Nachmittag?". Uff, jetzt gibt es kein Zurück mehr. Klar habe ich Zeit, natürlich sage ich zu. Einen Parkplatz finden wir auf dem Leimbihof nicht mehr, wir sind ganz und gar nicht die Einzigen. Viele Schirme hängen schon über dem Üetli. Willi bemerkt meinen Respekt und macht mir Mut. Kommt schon gut, meint er aufmunternd. Den Aufstieg bringe ich hinter mich, die Anspannung und Vorfreude lassen mich die Strapazen vergessen. 

Erstmals bekomme ich den ominösen Startplatz zu sehen. Und beim Zusehen schnalle ich auch, wie hier oben gestartet wird. Willi weist mir einen Auslegeplatz zu. Ich müsse jetzt aber schon ein bizzeli vorwärts machen, er werde nach mir starten. Die Umstehenden bekommen natürlich mit, dass da ein Üetli-Anfänger vor ihnen steht. Willi erklärt mal frei heraus "Er ist eben zum ersten Mal hier oben...". Das verschafft mit etwas Luft, und die Piloten hier sind wirklich sehr hilfsbereit.

Es ist soweit, Schirm ausgelegt, Puls kräftig erhöht. Um 17:30 Uhr erhalte ich letzte Instruktionen von Willi. "Fliege sofort nach rechts, dort sollte es hochgehen. Ich starte nach Dir, dann kannst Du mir nachfliegen". Mein Rückwärtsstart gelingt auf Anhieb, ich kann es fast nicht glauben. Wenigstens da habe ich Willi keine Schande gemacht. Die einzige Sorge ist nun, oben zu bleiben, bis ich an Willi anhängen kann. Noch liegen zwei Schirme vor Willis Startposition.

Weisungsgemäss fliege ich Richtung Felsenegg, und schon geht es kontinuierlich hoch. Voll easy, null problemo. Nach zwei Mal hin und her habe ich den Startplatz bereits deutlich überhöht und warte auf Willi. Der soll mal kommen. Ich werde übermütig und fliege auf die andere Seite, Richtung Uto Kulm. Auch hier geht’s nur obsi, langsam aber stetig. Bald überfliege ich das Restaurant Uto Kulm, wo ich einige Monate zuvor meinen Sechszigsten gefeiert habe. Über Funk halte ich Willi auf dem Laufenden, gelegentlich kreuzen oder umrunden wir uns. Willi nutzt jede Gelegenheit, um Fotos von unserem Flugtrip zu machen. Und er setzt meinen neuen Mentor2 ins beste Licht

 Während zwei Stunden fliegen wir gemeinsam am Uetli. Überhöhen den Antennenmast Uto Kulm um über hundert Meter und soaren mehrmals die ganze Kette bis zum Albis. Nie auch nur die geringste Absaufgefahr, kein Gerumpel an der Fallätsche. Für mich ein unvergessliches Erlebnis, einer meiner allerschönsten Flüge überhaupt. Als Zürcher am Zürcher Hausberg. Genuss pur.

Nach der sanften Landung kurz vor dem Eindunkeln erzählt mir Willi, dass er "solche" Flugbedingungen am Üetli noch nie erlebt habe. Wir beide sind total happy und lassen den Abend bei einem Znacht ausklingen. Danke, lieber Willi, für das einmalige Flugerlebnis und die genialen Fotos.


PARAnoia

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