PARAnoia-Reise nach Teneriffa, 2012

Nachdem sich vor einem Jahr fast niemand so richtig für die Fortsetzung der Flugwoche in Teneriffa 2010 erwärmen konnte, organisierte Alfredo diese Woche im 2012 nochmals für uns!

Michael, Marco, Alfredo, Maya, Niklaus, Claudia mit Fabian als Gäste, unser Guide Ibrahim und ich, freuen sich sehr auf diese Woche, wenn auch mit gemischten Gefühlen, hatten wir doch vor zwei Jahren zwar eine tolle Zeit zusammen, doch waren die Wandertage den guten Flugtagen massiv überlegen, aber, es sollte diesmal ganz anders kommen…, aber der Reihe nach!

Roger, unser Käpt’n der Edelweiss verwöhnt uns erneut auf dem Hinflug mit zwei spendierten Flaschen Champagner, unsere Laune ist bei der Ankunft dementsprechend gut. Von unserem Guide werden wir freudig empfangen, sogleich geht`s zum Startplatz, alle wollten fliegen. Man weiss ja nie, ob es der letzte Flug ist, die Wettervorhersagen kommentierten für die ganze Woche mässig bis starker Nordost-Wind. Was hat das wohl für uns zu bedeuten?



Am Startplatz Gaucho angekommen, einem schönen, mit Teppich ausgelegten Platz in Richtung Osten, empfängt uns ein schöner, dynamischer Aufwind, den die einen bis zum Eindunkeln ausnutzen können. Uns allen zaubert dieser erste Flug ein zufriedenes Lächeln aufs Gesicht, was die beigefügten Bilder belegen können.

Einen tollen Znacht in unserem Domizil in Puerta de La Cruz rundet den ersten Tag ab.

Sonntag, gutes Wetter, eher kühl, Küstensoaring ist angesagt. Nach einigen Schirmspielen und Warten auf mehr Wind! können wir über einer Stunde in laminarem Aufwind entlang der Küstenstrasse und den höher gelegenen Hotels hin- und her soaren. Der aufkommende, immer stärkere Wind und die Aussicht auf die recht tosende Brandung in den Klippen lässt uns am belebten Strand landen. Da ich es zu spät „gecheckt“ habe, bei fast 30kmh bei der Bodenberührung die Bremsen oben zu halten, ist eine kleine Rutschpartie über die Strandpromenade die Folge davon, Verlust = eine Kamera, schade, doch, aus Schaden wird man ja bekanntlich klug.

Nach ein paar genussvollen Stunden in der Stadt geht es am Nachmittag erneut zum bekannten Startplatz Gaucho, etwa 8 km  süd-westlich von Puerta de La Cruz. Einen tollen Abendflug bis an die Basis auf ca. 1200m ermöglicht einigen, wenigstens den schwereren und „gutbetuchten“ von uns, der Vorwärtsflug in Richtung Badestrand in Puerto. Der starke Gegenwind bremst dieses Unterfangen doch gewaltig. Den obligaten super Znacht und den Besuch des Karnevals, der für die einen doch recht lange dauert…, lässt auch diesen schönen Tag zu Ende gehen.

Montag, ab in den Süden, Leethermik ist angesagt. Wieder empfängt uns ein riesen, mit Teppich ausgelegter Startplatz, jedoch ist das Wetter recht abgeschattet und unser Führer mahnt uns, nicht in Richtung Osten zu fliegen. Erstens ist dort CTR-Gebiet und zweites wegen des starken Ostwindes, der grosse Schaumkronen im Meer gebildet hat, was wir bei der Hinfahrt mit mulmigem Gefühl beobachten konnten. Trotzdem, nach kurzer  Vorbereitungszeit haue ich mich, fast etwas ungeduldig in die Lüfte und erwische sogleich Anschluss im Aufwind. Alfredo dreht mich zwar nach ein paar Kurven bereits aus, ich kann ihm jedoch mit einigem Abstand folgen. Nach kurzer Zeit sind wir an der Basis. Eine tolle Aussicht, auch in Richtung Osten eröffnet sich uns. Dass wir in diesem Leeaufwind absolut nichts von den starken Ostwinden spüren, ist schon verwunderlich. Auch die anderen Piloten sind nun in der Luft. Eine gute Stunde drehen wir in angenehmen Aufwindbändern unsere Kreise, obwohl ein paar Kilometer östlich an Fliegen nicht einmal zu denken wäre, wirklich unglaublich, unserem Guide Ibrahim  (
www.ibrafly.net  ) sei Dank! Die Landung am schönen, warmen Sandstrand, in der Nähe der Hotelriesen von Las Américas ergibt den schönen Abschluss, dieses Fluges, wo wir uns alle wieder einfinden. Unser Guide ist sehr zufrieden mit uns, braucht er doch so nicht zusätzliche km zu fahren, um uns einzusammeln. Sein Dank an uns, wir werden mit bestem, frischem Obst von der Insel beglückt. Das anschliessende Landebier wird zur Pflicht, obschon ein paar fremde Piloten über unserem Lokal kreisen. Sind wir zu früh gelandet? Ein feinstes Nachtessen rundet den Tag ab, nun ab in den Karneval (oder in die Pfanne, so wie jeder gerne möchte).    

Dienstag, Fliegen am Gaucho, Aufdrehen zur Basis, Landung inmitten des Badestrandes von Puerto de La Cruz. Tolerante Badegäste helfen mir beim Zusammenlegen, endlich läuft einmal etwas in diesem Altersheim…!

Mittwoch, Fahrt in Ibrahims Bus hinauf an die Krete auf 2220 m, doch lassen die unter uns liegende, dicke Wolkendecke und der Wind im Rücken der obligate Gleitflug an den 15km entfernten Strand leider nicht zu. So fahren wir weiter durch die Mondlandschaft unterhalb des 3‘718 hohen  Vulkanberges Teide, der in diesem Jahr ohne seine eindrückliche Schneehaube auskommen muss. Es herrscht akuter Wassermangel auf der ganzen Insel. Unser Führer erzählt einiges von der Touristen-Insel. Leider spüren auch die Kanaren die Wirtschaftsbaisse. Alleine auf Teneriffa sollen gemäss seinen Aussagen etwa 80‘000 leere Wohnungen haben. Das bedeutet, dass auch etwa 120‘000 Menschen weniger konsumieren; das sind mehrt als 10%, lebten doch 2010 etwas mehr als 900‘000 Einwohner auf der Insel. Die Bauwirtschaft ist praktisch nicht mehr existent. Schade, habe ich mich doch schon darauf eingerichtet, meinen Arbeits-Lebensabend als Kranführer hier zu verbringen, wieder nichts, so gehe ich halt Ende Woche wieder heim! Ein neuer Startplatz in den Bergen, Ifonche, auf  1000m gelegen, empfängt uns. Zwar massiv  abschattet, aber mit gutem Wind, gerade von vorne. Wir lassen unser Dummy Alfredo starten, ich gleich hinterher. Irgendwie wird’s recht harzig, habe den Anschluss schnell verloren und finde mich schon bald in der Nähe von Bananenplantagen auf Landungsplatzsuche. Über mir kreisen meine Freunde der Basis entgegen. Das kann’s nicht sein. Mit viel Geduld, jedes noch so kleine Aufwindchenlüftchen nutzend, mogle ich mich nach gut halbstündigem „Kampf“ wieder von 500m zur tiefen Basis auf knapp 1300m hoch. Nun kann ich meinen Flug wieder geniessen, kurve um meine Kollegen herum und lande stolz nach einer guten Stunde zufrieden mit mir wieder an unserem bekannten Landeplatz am Strand. „The same procedere as every day“ , Landebier, Rückfahrt, feines Nachtessen und obligater Besuch am Karneval. Unser Alfredo und Marco, verkleidet als Pirat und sein Knappe, frönen dem günstigen Ruhm, die Nacht wird für die einen ziemlich kurz.

Am Donnerstag ist wieder fliegen am Gaucho angesagt. Obschon wir heute auf die guten Bedingungen etwas warten müssen, erwartet uns wieder ein schöner, gut einstündiger Flug. Wieder führt uns der „lange“ Streckenflug an den etwa 8km entfernten Strand und Landeparkplatz in Puerto de La Cruz. Da meine Schirmgleitleistung gegenüber dem neuem Sigma 8 doch etwas nachgelassen hat (wahrscheinlich bin ich zu leicht ;-), finde ich den Weg nicht ganz hinunter zum Strand. Etwas mulmig wird mir schon beim Runterschauen, überall diese verd…. Bananenplantagen, Leitungen, Mäuerchen, Rebberge, Strassen, hoch eingezäunte Tennisplätze, Bauruinen, das alles lädt nicht wirklich zum Landen ein. Ein kurzes Aufwindband lässt wieder hoffen, schaff ich es doch noch hinunter zum Strand? Da, ein schönes, ausgetrocknetes Blumenbeet, doch leider umgeben von Mauern, wie komme ich da wieder heraus…, so entschliesse ich mich für einen grösseren, frisch angelegten Gemüsegarten, wo Gärtner eben gerade am Anpflanzen sind, so komme ich wenigstens aus dem eingezäunten Grundstück wieder heraus. Ein kurz ausgerufenes "Attention!!“ und schon ziehe ich mit meinen Versen eine lange, tiefe  Furche durch die feine Erde  des Gemüsebeetes. Wenigstens kann ich den Schirm auf dem schmalen Fussweg fallen lassen, damit ich nichts beschädige. Mit einigen, gut- und ernstgemeinten Entschuldigungen und einem blauen Euroschein für den entstandenen Schaden, verabschiede mich ich nach dieser unplanmässigen Aussenlandung zu Fuss zum Landeplatz, derweil Michael, und Fabian über mir hinweg in Richtung Strand fliegen. Darf ich jetzt einen neuen Schirm kaufen? Wie erklär ich das zuhause? Doch mein Siebner ist eigentlich immer noch ein toller Flügel. Wer weiss, vielleicht kommt mir wieder einmal ein Kaktus entgegen und nimmt mir die Entscheidung ab…! Am Abend nochmals hoch zum Gaucho hoch gefahren, soaren im Abendlicht vom Feinsten. Die einen landen erneut beim Stand, diesmal habe ich mehr Höhe, sehe manchmal etwas sehr viel Nebel unter meinen Füssen, kann nun aber diesen Abgleiter im Gegenwind so richtig geniessen, habe ich doch beim Einlanden noch gut 400 Höhenmeter Reserve, es gibt doch keinen neuen Schirm;-) . Die anderen nutzen das letzte Licht in der Abenddämmerung und landen am offiziellen Landeplatz im Scheinwerferlicht unseres Guide.

Freitag, unser letzter Tag vor unserer, wohl zwingenden Heimreise. Der Wind hat etwas auf Südosten gedreht, wir suchen eine neue Herausforderung ganz im Nordosten der Insel. Bei der Besichtigung des Landeplatzes, der ohne Thermik zwingend angeflogen werden muss, stellt sich aber heraus, dass das Meer weite Teile dieses Platzes bereits für sich beansprucht. Die Landung in den höher gelegenen Steinen ist eine schlechte Alternative. Unser Guide Ibrahim, der uns immer  zum Fliegen animieren will, meint lakonisch, landet doch auf der Strasse, hier kommt nur alle drei Stunden ein Fahrzeug. Die aber parallel zur Strasse verlaufende Telefonleitung, die diese Strasse auch noch manchmal kreuzt, macht auch diese, wohl nicht ganz ernst gemeinte Möglichkeit zu Nichte. Vielleicht ein anderes Mal, ist doch der Startplatz mit etwas mehr als 40m2 auch nicht gerade das Gelbe vom Ei, das wir für den letzten Flug uns gönnen möchten. Da nun auch noch die entstandenen Thermikwolken sich eher auflösen als zunehmen, brechen wir nach einem Fotoshooting unser Vorhaben ab und machen uns auf den Weg zum Highlight der Insel. Ein Zwischenstopp in an der Playa de las Tersitas, einem tollen Sandstrand mit tausenden von marokkanischem, per Schiff angekarrtem gelben Sand, lädt Claudia und Fabian zum Baden ein. Wir anderen begnügen uns mit ungeniessbaren Pouletflügeli. Unsere Fahrt führt uns anschliessend zur bereits einmal besuchten Krete auf 2220 m von Izana, zwischen Nord und Süd der Insel. Es empfängt uns eine weisse, dünne Wolkendecke unter uns in Richtung Landeplatz. Kurz zuvor haben wir dieses Wolkenband durchfahren.  Der schwache Wind von vorne ist perfekt. Ein letztes Mal legen wir unsere, bereits leicht angegrauten und staubigen Schirme in den feinen Vulkansand. Alle stellen ihre Instrumente so ein, dass mit Sicherheit der Kompass im Blickfeld bleibt. Gespannt, etwas mulmig und doch hoch erfreut über diese tolle Möglichkeit dieses unvergesslichen Gleitfluges, vom Gebirge an den Meeresstrand zu fliegen, tauchen wir einen nach dem Anderen, wie an einer Perlenkette aufgereiht, doch mit dem nötigen Sicherheitsabstand in das weiche, weisse Nichts hinein. Lange geben uns die Sonnenstrahlen über uns die Richtung an, die wir gemäss unserem Guide nicht verändern sollten, bis wir unter der Wolkendecke wieder hindurch gestossen sind. Nach knapp zwei Minuten sehen wir die Landschaft wieder unter uns. Sogleich tauchen die einen zu unserem Hausberg Gaucho weg, um den Abendaufwind noch etwas zu geniessen und den Flug zum Strand noch etwas zu verlängern. Mit sehr viele Höhe fliege ich dem Strand entlang, kann an den Klippen, die wir vom Sonntagmorgenflug her kennen noch etwas soaren und lande nach einer guten halben Stunde glücklich auf dem schwarzen Sandstrand, inmitten der Ostbucht von Puerto de La Cruz. Meine Kollegen sind auch am Einlanden, so gibt es noch die eine oder andere, lustige und schöne Landung zu filmen, habe inzwischen eine neue Kamera  gekauft.

Damit geht, wieder mit einem feinen Bier und Abendessen und für die Einen eine anschliessend sehr langen Nacht am Karneval diese tolle Flugwoche zu Ende. Alle sind wir zufrieden, nichts ist passiert, viele Eindrücke und Erlebnisse reicher und  glücklich, verabschieden wir uns von Ibrahim. Er begleitet uns mit vielen, ernstgemeinten Komplimenten und so machen wir uns am Samstag wieder auf unsere Heimreise

Ibrahim, besten Dank, du hast uns eine tolle Woche beschert, wir kommen wieder !!!         

 


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